Leoben-Göß · Heiliger Andreas

Leoben, Österreich

Über diese Kirche

Pfarrkirche · ehemalige Stiftskirche der Reichsabtei Göss

Bedeutung: Älteste Klostergründung der Steiermark und einzige Reichsabtei Österreichs (ab 1020) – mit dem weltberühmten „Gösser Ornat“ (um 1260).

Besonderheiten: Kunsthistorisch wichtig, regionalgeschichtlich wichtig, religiös bedeutend, politisch/historisch relevant, architektonisch besonders, überregional bekannt

Eintritt: Frei

Barrierefreiheit: Teilweise

Führungen: Auf Anfrage

Highlights

Modell des Stiftes Göss Modell des Stiftes GössDatierung: 950 Material / Art: Holz Künstler / Hersteller: Architekt Ein maßstabsgetreues Modell des Stiftes Göss veranschaulicht Besucherinnen und Besuchern die bauliche Gesamtanlage des ehemaligen Damenstifts – von der Stiftskirche über den freistehenden Andreasturm bis zu den ehemaligen Klostergebäuden.Weiterlesen Andreasturm AndreasturmStandort: Freistehend neben der Stiftskirche, letzter Rest der abgetragenen Andreaskirche Datierung: Teil der 1148–1188 errichteten Andreaskirche; diese 1794 abgetragen, Turm blieb erhalten Material / Art: Glocken- und Uhrturm, Steinbau Der Andreasturm ist der letzte erhaltene Rest der ehemaligen Andreaskirche, die als eigene Pfarrkirche für die Bevölkerung diente, während die Stiftskirche den Nonnen vorbehalten war. Nach Abtragung der Pfarrkirche 1794 blieb der Turm erhalten, da er als Uhr- und Glockenturm fungierte – die schmaleren Stiftstürme waren dafür ungeeignet.Weiterlesen Michaelskapelle mit Zackenstil-Fresken Michaelskapelle mit Zackenstil-FreskenStandort: Südlich der Hauptkirche, ehemalige Privatkapelle für hohe Würdenträger Datierung: 13. Jahrhundert (Freskenzyklus im Zackenstil) Material / Art: Frühgotische Wandmalerei (Fresko) Die Michaelskapelle gilt als einer der kunsthistorisch wertvollsten Räume der Steiermark. Ihre frühgotischen Wandmalereien im „Zackenstil“ – erkennbar an kantigen, zersplitterten Faltenwürfen und dynamischen Figuren – zeigen Szenen aus dem Hohelied Salomons sowie aus dem Leben Christi und markieren den Übergang von romanischer Strenge zu gotischer Eleganz. Sie stehen auf einer Stufe mit den Malereien im Gurker Dom.Weiterlesen Krypta der Äbtissinnen Krypta der ÄbtissinnenStandort: Unter dem Chor der Kirche Datierung: 11. Jahrhundert (Gründungszeit) Material / Art: Romanischer Kryptaraum mit römischer Spolie (Monolith) Die Krypta ist der älteste sakrale Raum der Anlage und dient als Gruft der Äbtissinnen. Ein Monolith aus römischer Zeit wurde als Spolie ins mittelalterliche Mauerwerk integriert. Bis in die 1960er standen hier noch Särge; später wurden mumifizierte Körper in ein Schachtgrab umgebettet, dessen Boden mit Steinen aus der Mur ausgelegt ist – ein bewusster Bezug zur Gründungslegende des Stifts.Weiterlesen Gösser Ornat Gösser OrnatStandort: Ursprünglich Stift Göss, heute im MAK – Museum für angewandte Kunst, Wien (nicht vor Ort ausgestellt) Datierung: um 1260 Material / Art: Liturgisches Textilensemble (Kasel, Pluviale, Dalmatik, Tunika, Antependium; Seidenstickerei auf Leinen) Künstler / Hersteller: Nonnen des Stifts Göss, gestiftet von Äbtissin Kunigunde II. Der „Gösser Ornat“ ist ein fast vollständig erhaltenes Ensemble romanischer Paramente und gilt als einzigartig im christlichen Abendland. Die dichte Seidenstickerei lässt den Leinengrund vollständig verschwinden; das Stifterbild zeigt Kunigunde II. und zählt zu den ältesten erhaltenen Porträts einer weiblichen Stifterin in der europäischen Textilkunst. 1911 an das MAK Wien verkauft, wird eine leihweise Rückkehr für Ausstellungen in Leoben immer wieder angestrebt.Weiterlesen Spätgotischer Dachstuhl Spätgotischer DachstuhlStandort: Über dem Hauptschiff der Kirche Datierung: um 1500 (15./16. Jahrhundert) Material / Art: Holzkonstruktion (Zimmermannsarbeit) Der gewaltige spätgotische Dachstuhl gilt als eines der bedeutendsten technischen Denkmale seiner Art in der Steiermark. Statik und handwerkliche Präzision der Holzverbindungen zeugen vom hohen Stand der Zimmermannskunst um 1500 und prägen gemeinsam mit dem spätgotischen Gewölbe das heutige Erscheinungsbild der Kirche.Weiterlesen Südportal mit Schutzmantelmotiv Südportal mit SchutzmantelmotivStandort: Südlicher Kircheneingang Datierung: nachträglich hinzugefügt (genaues Jahr in Quelle nicht angegeben) Material / Art: Bauliches Portal, Steinmetzarbeit Ein später hinzugefügtes Südportal verändert die Wegeführung so, dass Besucher symbolisch „unter dem Schutzmantel“ Mariens eintreten – dem Motiv, das Menschen aller Stände unter ihrem Mantel birgt. Ein asymmetrisch weggeschnittener Säulenstumpf ist sichtbarer Beleg dieser baulichen Umgestaltung.Weiterlesen Orgelbereich mit Scheinmarmor Orgelbereich mit ScheinmarmorStandort: Orgelempore/Orgelbereich der Kirche Datierung: Datierung in Quelle nicht näher angegeben Material / Art: Scheinmarmor (bemaltes Holz) Künstler / Hersteller: Georg Mitterreiter (Signatur) Im Orgelbereich fällt kunstvoller Scheinmarmor auf – Holz, das durch Bemalung wie Stein wirkt. Die Signatur „Georg Mitterreiter“ belegt konkrete Werkspuren; praktische Fragen wie Modernisierung und Lichtschutz für die Lederteile der Orgel beschäftigen die Pfarre bis heute.Weiterlesen
GeschichteDas Stift Göss ist eine ehemalige Abtei der Benediktinerinnen in GössWeiterlesen WidmungWidmungWeiterlesen Umbauten & ErweiterungenUmbauten & ErweiterungenWeiterlesen Besondere GeschichteBesondere GeschichteWeiterlesen
Modell des Stiftes Göss

Modell des Stiftes Göss

Datierung: 950
Material / Art: Holz
Künstler / Hersteller: Architekt
Ein maßstabsgetreues Modell des Stiftes Göss veranschaulicht Besucherinnen und Besuchern die bauliche Gesamtanlage des ehemaligen Damenstifts – von der Stiftskirche über den freistehenden Andreasturm bis zu den ehemaligen Klostergebäuden.
Andreasturm

Andreasturm

Standort: Freistehend neben der Stiftskirche, letzter Rest der abgetragenen Andreaskirche
Datierung: Teil der 1148–1188 errichteten Andreaskirche; diese 1794 abgetragen, Turm blieb erhalten
Material / Art: Glocken- und Uhrturm, Steinbau
Der Andreasturm ist der letzte erhaltene Rest der ehemaligen Andreaskirche, die als eigene Pfarrkirche für die Bevölkerung diente, während die Stiftskirche den Nonnen vorbehalten war. Nach Abtragung der Pfarrkirche 1794 blieb der Turm erhalten, da er als Uhr- und Glockenturm fungierte – die schmaleren Stiftstürme waren dafür ungeeignet.
Michaelskapelle mit Zackenstil-Fresken

Michaelskapelle mit Zackenstil-Fresken

Standort: Südlich der Hauptkirche, ehemalige Privatkapelle für hohe Würdenträger
Datierung: 13. Jahrhundert (Freskenzyklus im Zackenstil)
Material / Art: Frühgotische Wandmalerei (Fresko)
Die Michaelskapelle gilt als einer der kunsthistorisch wertvollsten Räume der Steiermark. Ihre frühgotischen Wandmalereien im „Zackenstil“ – erkennbar an kantigen, zersplitterten Faltenwürfen und dynamischen Figuren – zeigen Szenen aus dem Hohelied Salomons sowie aus dem Leben Christi und markieren den Übergang von romanischer Strenge zu gotischer Eleganz. Sie stehen auf einer Stufe mit den Malereien im Gurker Dom.
Krypta der Äbtissinnen

Krypta der Äbtissinnen

Standort: Unter dem Chor der Kirche
Datierung: 11. Jahrhundert (Gründungszeit)
Material / Art: Romanischer Kryptaraum mit römischer Spolie (Monolith)
Die Krypta ist der älteste sakrale Raum der Anlage und dient als Gruft der Äbtissinnen. Ein Monolith aus römischer Zeit wurde als Spolie ins mittelalterliche Mauerwerk integriert. Bis in die 1960er standen hier noch Särge; später wurden mumifizierte Körper in ein Schachtgrab umgebettet, dessen Boden mit Steinen aus der Mur ausgelegt ist – ein bewusster Bezug zur Gründungslegende des Stifts.
Gösser Ornat

Gösser Ornat

Standort: Ursprünglich Stift Göss, heute im MAK – Museum für angewandte Kunst, Wien (nicht vor Ort ausgestellt)
Datierung: um 1260
Material / Art: Liturgisches Textilensemble (Kasel, Pluviale, Dalmatik, Tunika, Antependium; Seidenstickerei auf Leinen)
Künstler / Hersteller: Nonnen des Stifts Göss, gestiftet von Äbtissin Kunigunde II.
Der „Gösser Ornat“ ist ein fast vollständig erhaltenes Ensemble romanischer Paramente und gilt als einzigartig im christlichen Abendland. Die dichte Seidenstickerei lässt den Leinengrund vollständig verschwinden; das Stifterbild zeigt Kunigunde II. und zählt zu den ältesten erhaltenen Porträts einer weiblichen Stifterin in der europäischen Textilkunst. 1911 an das MAK Wien verkauft, wird eine leihweise Rückkehr für Ausstellungen in Leoben immer wieder angestrebt.
Spätgotischer Dachstuhl

Spätgotischer Dachstuhl

Standort: Über dem Hauptschiff der Kirche
Datierung: um 1500 (15./16. Jahrhundert)
Material / Art: Holzkonstruktion (Zimmermannsarbeit)
Der gewaltige spätgotische Dachstuhl gilt als eines der bedeutendsten technischen Denkmale seiner Art in der Steiermark. Statik und handwerkliche Präzision der Holzverbindungen zeugen vom hohen Stand der Zimmermannskunst um 1500 und prägen gemeinsam mit dem spätgotischen Gewölbe das heutige Erscheinungsbild der Kirche.
Südportal mit Schutzmantelmotiv

Südportal mit Schutzmantelmotiv

Standort: Südlicher Kircheneingang
Datierung: nachträglich hinzugefügt (genaues Jahr in Quelle nicht angegeben)
Material / Art: Bauliches Portal, Steinmetzarbeit
Ein später hinzugefügtes Südportal verändert die Wegeführung so, dass Besucher symbolisch „unter dem Schutzmantel“ Mariens eintreten – dem Motiv, das Menschen aller Stände unter ihrem Mantel birgt. Ein asymmetrisch weggeschnittener Säulenstumpf ist sichtbarer Beleg dieser baulichen Umgestaltung.
Orgelbereich mit Scheinmarmor

Orgelbereich mit Scheinmarmor

Standort: Orgelempore/Orgelbereich der Kirche
Datierung: Datierung in Quelle nicht näher angegeben
Material / Art: Scheinmarmor (bemaltes Holz)
Künstler / Hersteller: Georg Mitterreiter (Signatur)
Im Orgelbereich fällt kunstvoller Scheinmarmor auf – Holz, das durch Bemalung wie Stein wirkt. Die Signatur „Georg Mitterreiter“ belegt konkrete Werkspuren; praktische Fragen wie Modernisierung und Lichtschutz für die Lederteile der Orgel beschäftigen die Pfarre bis heute.
Geschichte

Geschichte

Das Stift Göss ist eine ehemalige Abtei der Benediktinerinnen in Göss

Die Ursprünge des Stifts Göss reichen bis ins Jahr 904 zurück: Mit der sogenannten Murtalschenkung erhielt die Adelsfamilie Aribo eine Landschenkung, die als älteste erhaltene Pergamenturkunde der Steiermark gilt. Die eigentliche Klostergründung erfolgte um 1000–1020 durch die Familie Aribo; mit Urkunde vom 1. Mai 1020 erhob Kaiser Heinrich II. das Nonnenstift zur Reichsabtei – der einzigen auf dem Gebiet des heutigen Österreichs.
1148–1188 entstand die eigenständige Andreaskirche als Pfarrkirche für die lokale Bevölkerung, während die Stiftskirche den Nonnen vorbehalten blieb. 1618 wurde die bis dahin rein adelige Aufnahmebeschränkung gelockert, sodass auch Bürger- und Bauerntöchter als Laienschwestern aufgenommen wurden.
1782 hob Kaiser Josef II. das Damenstift im Zuge der Josephinischen Klosterreformen auf. Von 1783 bis 1800 diente die Kirche kurzzeitig als Kathedrale des neu gegründeten Bistums Leoben, bevor sie der Diözese Seckau zugeordnet wurde. 1794 wurde die alte Andreaskirche abgetragen – erhalten blieb nur der freistehende Andreasturm als Glocken- und Uhrturm.
Im April 1797 quartierte sich Napoleon Bonaparte im aufgehobenen Stift ein; am 18. April 1797 wurde der Vorfriede von Leoben im nahen Eggenwald’schen Gartenhaus unterzeichnet. 1860 erwarb Max Kober Teile des Stifts und knüpfte an die seit 1459 belegte klösterliche Brautradition an – der Grundstein der Gösser Brauerei. 1911 wurde der weltberühmte „Gösser Ornat“ an das Museum für angewandte Kunst (MAK) in Wien verkauft.

Widmung

Widmung

Ursprünglich war die Stiftskirche eine Marien- und Margarethenkirche und diente als Kirche der Nonnen. Nach der Abtragung der eigenständigen Andreaskirche im Jahr 1794 „wanderte“ das Andreas-Patrozinium in die Stiftskirche – seither trägt sie das Doppelpatrozinium St. Maria und St. Andreas.

Umbauten & Erweiterungen

Umbauten & Erweiterungen

- 1148–1188: Bau der eigenständigen Andreaskirche als Pfarrkirche für die lokale Bevölkerung (Stiftskirche blieb den Nonnen vorbehalten)
- 1450: Anlage des „Großen Haupt-Urbars“ unter Äbtissin Anna von Herberstorf zur Verwaltung des Grundbesitzes
- 1521/1522: Abschluss des gotischen Ausbaus unter Äbtissin Margaretha von Mindorf
- 1618: Lockerung der adeligen Aufnahmebeschränkung – auch Bürger- und Bauernmädchen werden als Laienschwestern zugelassen
- 1782: Aufhebung des Damenstifts durch Kaiser Josef II. im Zuge der Josephinischen Klosterreformen
- 1783–1800: Kirche kurzzeitig Kathedrale des neu gegründeten Bistums Leoben; danach Eingliederung in die Diözese Seckau
- 1794: Abtragung der alten Andreaskirche; nur der freistehende Andreasturm bleibt erhalten
- April 1797: Napoleon Bonaparte quartiert sich im aufgehobenen Stift ein; Vorfriede von Leoben am 18.4.1797 unterzeichnet
- 1860: Max Kober erwirbt Teile des Stifts – Grundstein der Gösser Brauerei
- 1911: Verkauf des „Gösser Ornats“ an das Museum für angewandte Kunst (MAK) in Wien

Besondere Geschichte

Besondere Geschichte

- Gründungslegende: Ein wertvoller Schal der Stifterfamilie geht in der Mur verloren und bleibt in einer Schleife hängen – als bildhafte Deutung neben der historischen Realität der Landschenkung 904.
- Der Sage nach vertrieben betende Nonnen mit Fackeln am Kalvarienberg Angreifer, deren Lichter als „brennende Schwerter“ gedeutet wurden – volkstümliche Erklärung für Turm und Wehrmauer gegen die Türkenbedrohung.
- Napoleon Bonaparte quartierte sich im April 1797 in den Räumen des kurz zuvor aufgehobenen Stifts ein; am 18. April 1797 wurde der Vorfriede von Leoben im nahen Eggenwald’schen Gartenhaus unterzeichnet.
- Der „Josephinische Sparsarg“ von 1784 – ein wiederverwendbarer Sarg mit Bodenklappe zur Materialersparnis – ist bis heute im Schauraum des Stifts erhalten; die Maßnahme wurde nach massiven Protesten bereits nach 6 Monaten zurückgenommen.
- Die Stiftschronik endet mit dem lakonischen Eintrag: „1782 sünd wir aufgehoben worden. Amen.“ Die letzte Äbtissin war Gabriela Freiin von Schaffmann, die ihre letzten Lebensjahre in Armut verbrachte.
- Der über 800 Jahre alte „Gösser Ornat“ (gestiftet von Äbtissin Kunigunde II., um 1260, mitgestickt von ihr selbst) wurde 1911 an das MAK Wien verkauft; in Leoben gibt es wiederkehrende Bestrebungen, ihn leihweise für Ausstellungen zurückzuholen.
- In der Krypta wurden bis in die 1960er-Jahre Särge der Äbtissinnen aufgestellt; mumifizierte Körper wurden später in ein Schachtgrab umgebettet, dessen Boden mit Steinen aus der Mur ausgelegt ist – ein bewusster Rückbezug auf die Gründungslegende.

Audioguide

Entstehung & Geschichte1:26
Der Andreasturm0:40
Die Michaelskapelle0:44
Die Krypta der Äbtissinnen0:48
Der Gösser Ornat0:52
Der spätgotische Dachstuhl0:43
Das Südportal0:42
Der Orgelbereich0:40

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